Örnsköldsvik Teil 2

Eine Woche also noch… Trotz COVID-19 hebt mein Flieger pünktlich ab. Stand heute. Ich bin etwas unruhig, weil es täglich neue Infos gibt und sich doch auch innerhalb einer Woche sooooo vieles ändern kann. Meine Planungen sind fix. Zwei Bewerbungsgespräche, viel Natur, Ruhe, Auszeit. Mal sehen was COVID dazu noch sagt…. Heute hatte ich die Zeit mir mal Gedanken zu machen und diese eine (viel zu kurze) Woche zu planen. Natürlich kam viel zu viel zusammen. Das schaffe ich niemals, aber dennoch habe ich ein Ziel vor Augen! Selten habe ich mich so sehr auf einen Urlaub gefreut. Hoffentlich findet er statt.

Corona. Freund oder Feind?

In zwei Wochen startet mein Flieger Richtung Umeå und ehrlich gesagt bringt mich das Coronavirus ordentlich ins Schwitzen. Ich habe keine Angst vor einer Erkrankung, schließlich bin ich ein junger und gesunder Mensch und das Virus würde nicht so große Schäden bei mir anrichten… Allerdings zittere ich, ob mein Flug stattfindet!!!!! Bisher sind im Ganzen Flieger 7(!) Plätze belegt…. Die Panik ist offensichtlich hoch. Bei mir hängt aber doch etwas mehr dran. Mir sind die Vorstellungsgespräche sehr wichtig! Klar, kann ich das auch über Skype machen, aber das ist nicht das Gleiche. Ich will die Atmosphäre der Schule spüren, die Kollegen kennen lernen, mit den Kindern in Kontakt treten usw. Ihr kennt das sicherlich, wenn ihr euch irgendwo vorstellt und beim Betreten des Hauses bereits so ein ‚Grundgefühl‘ habt. Einen ersten Eindruck. Der erste Blick. Genau das ist mir auch wichtig. Ich muss mich bei meinem Arbeitsplatz sofort wohl fühlen. Sonst macht es für mich keinen Sinn.

SAS. Flight til Umeå

Ich werde nun weiterhin täglich die Reisewarnungen kontrollieren, sowohl schwedische, als auch deutsche Nachrichten verfolgen und die Website der Scandinavian Airlines belagern. Es MUSS einfach klappen!!!!

Warten…

Jetzt warte ich auf das schwedische Schulamt. Laut Homepage kann das bis zu 6 Monaten dauern. In der Zwischenzeit gibt es aber auch etwas zu tun. Ich schaue mich nach Wohnungen um, informiere mich, was nach einem Umzug alles organisiert werden muss. Das Wichtigste ist die Anneldung beim Skatteverket (Finanzamt), darüber bekommt man dann die Personennummer. Also das Finanzamt ist sozusagen auch das Einwohnermeldeamt. Alles unter einem Dach 😉 die Personennummer bekommt man in der Regel innerhalb von 1-2 Wochen. Anschließend kann ich ein schwedisches Konto eröffnen, denn Überweisungen sind – wie ich jetzt gelernt habe – nicht immer so easy. Ansonsten muss ich sagen, dass sich Schweden und Deutschland ziemlich ähneln. Ich lerne weiterhin fleißig die Sprache, sodass ich im September hoffentlich B2 spreche. C1/2 ist dann Muttersprachniveau, das wird dann erst soweit sein, wenn ich dort lebe und arbeite. Viele Gedanken drehen sich in meinem Kopf… Ich muss mich etwas sortieren und planen wie es weitergeht. Ich halte euch auf dem Laufenden…!

Alles erledigt….

Die vorerst stressigste Zeit ist vorbei! Alle Unterlagen liegen nun beim schwedischen Schulamt. Ein Tipp: Man muss die Bearbeitungsgebühr von 1.500 SEK selbst bezahlen. Das sind je nach Wechselkurs zwischen 140 bis 150€. Wenn ihr eure Bewerbung per Mail einschickt, schreibt gleich dazu, dass ihr die Bankdaten für eine Auslandsüberweisung benötigt, also IBAN, BIC, Adresse der Bank, in diesem Fall auch Adresse des Schulamtes. So erspart ihr euch viel Stress und Zeit. Plant auch mit ein, dass eure deutsche Bank/Sparkasse für eine Auslandsüberweisung Gebühren erhebt. In meinem Fall 30€….. Wie schon mehrfach erwähnt, eine Auswanderung ist nicht billig. Ich bin alleine und nehme auch nur sehr wenig Dinge mit nach Schweden, plane aber mit ca. 20 bis 30.000€, um dort gut anzukommen…

Hej Skolverket!

Die Ereignisse überschlagen sich… Ich habe mehrere Jobangebote aus Schweden bekommen. Ich dachte zuerst, dass ich gar nichts bekommen würde, weil das schwedische Schulsystem einfach ganz anders ist, aber durch den hohen Lehrermangel sieht das Ganze anders aus. Gut, ich muss dazu sagen, dass ich eine sehr gute Ausbildung habe. Pädagogische Ausbildung, Studium, mehrere Zusatzqualifikationen.

Jetzt kommt noch eine Hürde auf mich zu: das Schulamt (skolverket). Das Schulamt ist für die Anerkennung pädagogischer Berufe verantwortlich. Um in Schweden als pädagogische Fachkraft, Lehrer, Heilpädagoge, Sozialpädagoge o.ä. arbeiten zu dürfen benötigt man eine Legitimation. Diese wird eben bei diesem Schulamt beantragt und das ist ein kompletter Blätterhaufen. Und natürlich übersetzt und beglaubigt.

Ich hatte ja schon in einer meiner letzten Beiträge geschrieben wie grausam eine Dolmetschersuche ist. Ich habe insgesamt 32 Büros kontaktiert. Übersetzt werden sollten 15 Dokumente. Bei den ersten drei Angeboten habe ich eine Schnappatmung inklusive Schweißausbrüche bekommen und meinen baldigen Ruin gesehen. 2800€, 1650€, 1290€. Für 15 Dokumente und das meiste davon waren Zeugnisse mit seeeehr wenigen Wörtern…..

Letztendlich bin ich auf die Firma von Herrn Karosi (www.ristani.eu) aus Stuttgart gestoßen. Der Preis hat mich anfangs irritiert, weil er deutlich unter den anderen Preisvorschlägen lag, aber dennoch habe ich das Angebot angenommen und nicht ein kleinstes bisschen bereut. Die Übersetzungen waren nach einer Woche im Briefkasten, der Kontakt zu Herrn Karosi sehr professionell, freundlich und seriös und das Ergebnis war super. Ich spreche mittlerweile relativ gut schwedisch und hätte auch das Meiste selbst übersetzen können, aber ich benötigte ja beglaubigte Dokumente. Ich kann dieses Büro wirklich JEDEM empfehlen, der professionelle, schnelle und behlaubigte Übersetzungen braucht. Sogar meine Schwedischlehrerin hat sich den Namen notiert 😉

Am Wochenende werde ich in aller Ruhe alle Dokumente zusammen stellen und es dem Schulamt schicken. Drückt mir die Daumen, dass alles klappt mit der Legitimation, denn bei einer Stelle würde ich dadurch sofort eine unbefristete Anstellung bekommen!

Es wird ernst!

Alle Unterlagen sind nun vollständig. Anschreiben, Lebenslauf, Sprachzertifikat, Arbeitszeugnisse, Abschlusszeugnis usw. Jetzt brauche ich nur noch die Übersetzungen…! Ich bin meeeeega nervös. Natürlich hoffe ich, dass es positiv endet, aber eine Garantie gibt es nicht. Am Ende des Monats werde ich dort sein, das habe ich auch meinem eventuellen Arbeitgeber mitgeteilt. Hoffentlich reichen meine Unterlagen aus! Jetzt heißt es nur noch warten und Daumen drücken!!!

Next step…. Hello Job!

Nach der ersten Prüfung meiner Unterlagen scheint es doch so, dass ich etwas höher qualifiziert bin, als ich zuerst angenommen hatte. Die ersten Dokumente sind nun bei der schwedischen Regierung. Alle offiziellen Dokumente müssen nun von einem beglaubigten Übersetzungsbüro ins schwedische übersetzt werden. Bei den ersten Angeboten wurde mir schon schwindelig. Es lohnt sich auf alle Fälle, viele Büros zu kontaktieren und Angebote einzuholen. Das macht eine Menge Arbeit, aber beim Auswandern zählt wirklich jeder Cent.

Connecting… Connecting… Connecting…

Was ich sehr schnell gelernt habe und für mich unfassbar wichig ist: Verbindungen knüpfen! Im Zeitalter des Internets ist dies ja super easy…! Ich habe einfach auf Instagram und Facebook Menschen gesucht (und auch gefunden), die selbst nach Schweden ausgewandert sind. Da gab es hin und wieder auch Überraschungen und Erkenntnisse, die ich davor nicht hatte. Auswandern ist kein Zuckerschlecken, das brauche ich niemanden schön reden, aber mit Disziplin, guter Vorbereitung und dementsprechender Unterstützung funktioniert das den Umständen entsprechend gut. Man sollte von der Illusion Bullerbü aber schon Abstand nehmen. Das war mir eigentlich von Anfang an klar… Aber wie gesagt, mit den richtigen Menschen an der Seite klappt das!

Skolverket, Skatteverket, Migrationsverket….

Im Januar 2020 fiel der endgültige Entschluss, den Sprung nach Schweden zu wagen. Nächtelang durchforstete ich Foren, Informationsbroschüren, ich telefonierte mit den Behörden und schrieb gefühlt tausende Mails. Um es vorweg zu sagen: es gibt keinen Masterplan für eine Auswanderung. Je nach Ausbildung, privatem Vermögen und Familienhintergrund gibt es verschiedene Möglichkeiten auszuwandern. Aber wichtigster Punkt, der oft unterschätzt oder ganz ignoriert wird: die Sprache!!!! Ich würde wirklich Jedem empfehlen, schwedisch zu lernen, wenn Schweden der Lebensmittelpunkt werden soll. Mit viel Ehrgeiz und meiner Schwedischlehrerin habe ich es geschafft innerhalb von 6 Monaten das Sprachniveau A2 zu erreichen. Auch mit Hilfe von schwedischen Bekannten, die ich im Urlaub kennen gelernt hatte und seitdem regelmäßiger, telefonischer Kontakt herrscht, verbesserte sich mein Sprachniveau relativ zügig.